Bedeutung des Behindertensports

In den letzten Jahren hat der Behindertensport auf nationaler und internationaler Ebene einen enormen Aufschwung erfahren. Der Wandel der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderung und das Wissen um die Bedeutung des Sports haben neue Voraussetzungen und Möglichkeiten geschaffen. Behindertensport hat gesellschaftspolitische Bedeutung erlangt. Eine gelungene Integration und insbesondere Inklusion von Menschen mit Behinderung und das individuelle Eingehen auf die damit verbundenen, besonderen Bedürfnisse sind ein Zeichen für einen hohen Entwicklungsstand der Gesellschaft.

In Österreich (Statistik Austria, Mikrozensus 2007, veröffentlicht 2011) sind rund 1,7 Millionen Menschen (20,5% der Bevölkerung) in irgendeiner Form dauerhaft beeinträchtigt. Die mit Abstand häufigsten dauerhaften Beeinträchtigungen sind Probleme mit der Beweglichkeit (rund ein halbe Million Österreicher, 13% der Bevölkerung). Bei rund 318.000 Menschen ist das Sehvermögen (3. Stelle) und bei 202.000 das Hörvermögen (5. Stelle) beeinträchtigt. Geistige oder Lernprobleme (6.) betrafen 1% der Bevölkerung (rund 85.000 Personen). An zweiter Stelle dieser Statistik liegen etwa 576.000 Menschen, die chronisch krank sind, an vierter Stelle Personen (2,5%; 205.000) mit psychischen und nervlichen Problemen, die weder im Sport, noch im Behindertensport als besonders zu fördernde Gruppe derzeit wahrgenommen werden. Hier ist immenser Aufholbedarf im Sport zu manifestieren. Bei der Gruppe der älteren Befragten war eine große Repräsentanz des Vorhandenseins von Mehrfachbehinderungen, was mit 7% der Bevölkerung, über 590.000 Menschen uns als tätige im Sport zu denken geben sollte.

Sport und Bewegung helfen volkswirtschaftliche Kosten zu sparen. Die BSO-Studie mit dem Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen aus dem Jahre 1999/2000 bringt einen finanziellen Vergleich: rund € 301 Mio. an Kosten durch Sportunfälle stehen zirka € 567 Mio. "Nutzen" durch vermiedene Krankheitsfolgen gegenüber.

Die positiven Auswirkungen bei körperlicher Aktivität sind längst wissenschaftlich erwiesen und reichen von persönlichem Wohlbefinden, erhöhter Lebensqualität, gesteigertem Selbstbewusstsein bis hin zu erfolgreicher, sozialer Integration. Bewegung und Sport stehen daher für Momente des Glücks und der inneren Zufriedenheit, die man selbstverständlich und insbesondere auch als Mensch mit Behinderung persönlich erleben kann.

Eine Behinderung ist eine Herausforderung fürs Leben. Mitleid ist vollkommen fehl am Platz. Wesentlich ist die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, die Kraft eine physische Einschränkung zu akzeptieren und daraus neue Fähigkeiten zu erarbeiten. Dabei sind Bewegung und Sport eine entscheidende Stütze. Für Menschen mit Behinderung haben Bewegung und Sport eine große Bedeutung. Angefangen in der Rehabilitation, von Freizeit- und Breitensport über Wettkampfsport bis hin zum Leistungs- und Spitzensport.

Tausende Mitglieder des Österreichischen Behindertensportverbandes (ÖBSV) zeigen durch ihr persönliches Engagement und Enthusiasmus, ob im Breiten-, Gesundheits- oder im Leistungs- und Spitzensport, was heutzutage alles möglich ist und dass auch Menschen mit Behinderung im Bewusstsein um ihr Gesundheit eigenverantwortlich handeln, weil eben gezieltes Training die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht.

Der ÖBSV sieht sich als Interessensvertretung für Menschen mit Einschränkungen im Sport aufgrund deren erhöhten Aktivitäts- und Betreueraufwandes und oftmals sozialer Schlechterstellung und damit verbundener Bedürftigkeit. Sport ermöglicht Menschen mit Behinderung durch Ausbildung von körperlichen Fähigkeiten eine sichere Bewältigung von Alltagsanforderungen, fördert das Selbstbewusstsein und erleichtert die soziale Integration.

ÖBSV-Mitglieder können an Landes- und Staatsmeisterschaften und bei entsprechender Qualifikation natürlich auch an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an Paralympischen Spielen teilnehmen. Im Mittelpunkt steht aber nicht das Streben nach sportlichen Höchstleistungen, sondern der persönliche Zugang zu Bewegung und Sport.

Der ÖBSV als ein föderalistisch-strukturierter Verband mit seinen neun Landesverbänden und rund 100 Sportvereinen mit knapp 6.500 Vereins-Mitgliedern, bietet mit seinem umfassenden Sportangebot viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Rund 40 Sportarten, davon 29 Wettkampf-Sportarten, werden von geschulten Funktionärinnen und Funktionären im Rahmen von Vereins-, Kurs- und Kaderaktivitäten betreut, gefördert und entwickelt.

Im Zuge der per Bundes-Sportförderungsgesetz verstärkt geforderten gesellschaftlichen Inklusion von Menschen mit Behinderung hat auch der ÖBSV seine Verbandsstrategie neu ausgerichtet: im Bereich Leistungs- und Spitzensport kooperiert man vermehrt mit Bundes-Sportfachverbänden; im Mittelpunkt aber steht das Ziel mehr Menschen mit Behinderung für das Thema Sport zu begeistern, insbesondere für Breiten- und Gesundheitssport.